text (sign)

  • By WoutDLN
  • 9 December, 2013
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Wir gehen von einem erweiterten Begriff des Textes aus, der linear, flächig oder räumlich angeordnete Mengen von Material und diskret gegebenen Elementen, die als Zeichen fungieren können, auf Grund gewisser Regeln zu Teilen oder zu einer Ganzheit zusammenfaßt (Bense 1969, 76).

Halten wir als Ergebnis unserer semiotischen Grundlegung des editorischen Textes fest: Text ist als ein komplexes Zeichen, als ein unaflösbarer Zusammenhang von signifiant und signifié (de Saussure) oder dynamischer Strukturzusammenhang vond Zeichenträger, Interpretant und Zeichenobjekt (Pierce), immer in Bewegung, ist aus der Sicht des bedeutungsetzenden Rezipienten niemals voll fixierbar. Das gilt für die Edition ebenso wie für alle anderen Bereiche, in denen literarische Texte Gegenstand der Analyse sind. Der in sich abgeschlossene, einzeln zum Druck gebrachte Text ist ein herausgehobener Zustand aus einem quasi ins Unendliche verlaufenden Bewegungsablauf, ein Fest-Stellen auf der Grundlage einer bestimmten Sinngebung — durch den Herausgeber oder auch, wie wir noch sehen werden, durch den Autor selbst — ein zweifellos notwendiger, wenn auch immer unbefriedigender Akt. Insbesondere in der vom Editor hergestellten — oder auch: herausgestellten — Textfassung ist das in der Ausgabe abgedruckte ‘Textformular’ — bei aller Bemühung des Philologen um Objektivität — unweigerlich von der jeweiligen Sinngebung geprägt. Schon aus dieser Überlegung heraus tut der Herausgeber, wenn immer das zu edierende Material es ihm erlaubt, gut daran, die Veränderbarkeit des Textes — trotz notwendiger Feststellung — in die Edition zurückzuholen. Die Arbeit eines Autors an seinem Werk kann geradezu selbst als Ausdruck der dynamischen Wechselbeziehung zwischen Textträger und Textbedeutung gewertet werden. Der in den Korrekturen und Veränderungen der verschiedenen Textfassungen greifbare Textbildungsprozeß wäre dann als solcher wiederum als Niederschlag einer in stetem Fluß befindlichen Textbedeutung zu interpretieren (Martens 1989, 12-13).

Let us recapitulate our semiotic grounding of the editorial text: Text, as a complex sign, as an inseparable relation of signifiant and signifié (Saussure), or as a dynamic structural relationship of sign carrier, interpreter, and sign object (Peirce), is always in fluid motion, and, from the point of view of the interpreting recipient, is never completely fixable. This is true in the field of editing as well as in all other areas in which literary texts are the object of analysis. The closed text, printed in isolation, is a state lifted out of a virtually infinite process, an establishment based on a specific interpretation (by the editor or also, as we shall still see, by the author) in an act which is necessary but always unsatisfactory. Especially in the case of the textual version, established or given prominence by the editor, the “text matrix” printed in the edition, despite the philologist’s efforts toward objectivity, is inevitably shaped by a given interpretation. Just for this reason the editor does well to recapture the variability of the text in the edition whenever possible, despite the necessary fixation. An author’s labor on a work may itself be considered as the articulation of the dynamic relationship between text carrier and meaning. The process of textual formation visible in the corrections and revisions of variant textual versions would then be interpretable as the precipitation of a textual meaning in constant flux (Martens 1995, 216).

Allgemein gesprochen sind Texte Mengen von Zeichen, die entweder – wie alphabetischen Zeichen – durch ihre Zugehörigkeit zu einem festgelegten Code verwendet und entschlüsselt werden können, oder die durch ihren habituellen Gebrauch oder durch ihre Verweisfunktion auf andere Zeichen / Gegenstände / Zusammenhänge / Gedanken “Sinn” ergeben. In einem weiteren Veralgemeinerungsschritt kann man von Texten nicht nur als Summe von Zeichen reden, sondern als Zeichen selbst: Der Text (und all seine Informationskanäle) steht (stehen) dann zeichenhaft für etwas anderes – für ein Konzept, eine Vorstellung beim Leser, ein Bezugssystem zu anderen Dingen etc. (Sahle 2013c, 7).

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